Etter-Zenger, Unterseen

Der Gedanke an eine Betriebsumstellung auf Bio war bei Regula und Luzi Etter-Zenger schon immer vorhanden. 2006 wurde erstmals eine Umstellung ernsthaft diskutiert und sie entschieden zuerst einmal den neuen Stall zu bauen. Danach ging alles ziemlich schnell.

 

Im Sommer 2016 wurde der Milchabnehmer angefragt ob Biomilch geliefert werden kann. Dieser hat das OK gegeben und im August 2016 wurde gemeinsam entschieden, den Betrieb auf Bio umzustellen. Damit nehmen sie in der Region eine gewisse Vorreiterrolle ein. In der näheren Umgebung ist nur ein weiterer Bio-Betrieb vorhanden. Die Nachbarbetriebe schauen nun mal, wie es bei Ihnen läuft. Vielleicht werden so noch weitere Betriebe umstellen.

 

Die Hauptmotivation war für die Betriebsleiter, dass die biologische Landwirtschaft ihrer Überzeugung entspricht. So hatten sie z.B. nie ein gutes Gefühl beim Einsatz von Spritzmitteln. Weitere Gründe waren der höhere Milchpreis und das Alleinstellungsmerkmahl für die Direktvermarktung, da in der Region kaum Bio-Betriebe Käse verkaufen. Sie sind aber davon überzeugt, dass man nur umstellen sollte, wenn man sich voll mit dem Gedanken der biologischen Landwirtschaft identifizieren kann.

 

Der Entscheid fiel ihnen auch leichter, da die vorhandene SF Kuh Herde mit einem Stalldurchschnitt von rund 6‘500kg/Laktation nicht auf Hochleistung ausgerichtet war.

 

 

Als Herausforderungen erwarten die Betriebsleiter wie die Unkrautregulierung im Mais mit Striegel und Hacke funktionieren wird. Auch die Düngung muss angepasst werden, da kein Ammonsalpeter mehr für die Weiden und den Mais verwendet werden darf. Weiter stellen sie sich die Frage wie sich die Eutergesundheit bei einem tieferen Einsatz von Trockenstellern entwickeln wird und welche Tiermedikamente wann genau verabreicht werden dürfen. Zu diesem Thema haben sie von unterschiedlichen Stellen bisher widersprüchliche Auskünfte erhalten.

 

Betriebsbesuch Familie Etter – Zenger am 2. Oktober 2018

 

Der verrückte Sommer 2018 neigt sich dem Ende zu. Am 22. September war der grosse Alpabzug mit Fest und gerade heute werden noch die letzten Rinder von den Alpweiden abgetrieben, der erste Schnee liegt in den Bergen.

Auch die Umstellungszeit ist bald vorüber. Im neunen Jahr wird der Wydihof ein Knospenhof sein. Die vergangenen 2 Jahre der Umstellung sind soweit sehr zufriedenstellend verlaufen.

Die durchschnittliche Milchleistung der Herde konnte ohne Kraftfutter bei zufriedenstellenden 5‘850kg / Laktation gehalten werden und mit der Aaremilch haben sie einen Abnehmer für die Biomilch welcher einen angemessenen Milchpreis bezahlt. Am Anfang der Umstellung war auch noch unsicher, wie sich die Eutergesundheit bei einem Verzicht auf den standardmässigen Einsatz von Trockenstellern entwickeln würde. Es hat sich gezeigt, dass dies grundsätzlich kein Problem darstellt. Jedoch ist es schwieriger die Kühe auf der Alp ohne Trockensteller Galt gehen zu lassen, da dem Alppersonal die Zeit für eine ausgiebige Kontrolle der Eutergesundheit fehlt. Deshalb werden die Kühe nun erst am Ende der Alpsaison zu Hause in die Galtphase gelassen. Somit können Luzi und Regula die Beobachtung der Kühe selber übernehmen und bei Schwierigkeiten schnell reagieren. Da sie die Strategie von saisonalem Abkalben im Winter verfolgen passt dieser Ablauf sehr gut in den Jahreszyklus. Bei der Direktvermarktung vom Fleisch haben sie noch keine starken Veränderungen festgestellt. Einige neue Kunden kommen, andere gehen. Die Schlachtkühe gehen weiterhin in den IP Kanal. Möchte man sie als Biofleisch in die grossen Absatzkanäle geben müssten sie in Basel geschlachtet werden. Diesen langen Transportweg möchten Etters ihren Tieren ersparen und deshalb bringen sie die Kühe weiterhin nach Langnau.

Auch der Ackerbau mit dem Silomais ist sehr zufriedenstellend verlaufen. Nach zweimaligem Striegeln und 3xHacken war die Maisfläche mindestens so sauber wie früher und der Ertrag ähnlich wie vor der Umstellung. Gedüngt wurde mit ca. 60m3 Vollgülle.

Die Gesamtarbeitsbelastung ist wohl etwas gestiegen. Speziell das Blackenstechen, das Krähenvertreiben nach der Maissaat und das verstärkte Beobachten der Kühe beim Trockenstellen brauchen mehr Zeit als früher, wobei letzteres durchaus auch positiv zu bewerten ist, man schenkt so seinen Tieren mehr Aufmerksamkeit.

 

Bis heute hat die Familie die Umstellung nie bereut. Neue Herausforderungen und Anpassungen werden sicher noch kommen, aber das macht die Landwirtschaft ja so spannend.

Der Käseautomat der Familie Etter-Zenger
Der Käseautomat der Familie Etter-Zenger