Gäumann, Häutligen

Per Anfang 2017 konnte Michael Gäumann den Betrieb von seinem Vater übernehmen und im Zuge dessen stellt er den Betrieb auf Bio um.

 

Michael Gäumann arbeitet seit kurz nach seiner Lehre auf dem elterlichen Betrieb mit. Sein Vater hat den Betrieb stets erfolgreich geführt. Der Einsatz von Mineraldüngern und Pflanzenschutzmitteln waren Michael Gäumann aber unangenehm.

Die Idee für eine Umstellung auf Bio reifte dann als er die Meisterschule besuchte. Gäumann hat ein grosses Interesse an Nachhaltigkeit. Ausserdem machen ihm die zunehmenden Antibiotikaresistenzen Sorgen. Er möchte vermehrt auf Hofeigenes setzen und weniger zukaufen - insbesondere Futter, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Auch wenn er der Vorwurf manchmal hört: Finanzielle Anreize standen im Zusammenhang mit der Umstellung nie im Vordergrund, sie sind aber sicher ein willkommener Nebeneffekt.

Michael Gäumann ist sich sicher, dass man jede Kultur biologisch anbauen kann. Sollten dennoch Schwierigkeiten auftauchen, freut er sich darauf, Lösungen zu suchen und zu finden. Auch wenn das Umfeld teilweise kritisch oder spöttisch reagiert, startet Michael Gäumann mit voller Überzeugung in die Umstellung auf Bio.

 

Update 31. Oktober 2017

Nach gut 10 Monaten Bioumstellung und der ersten Umstellungs-Ernte, zieht Michael Gäumann eine erste Zwischenbilanz.

Beim Getreide konnte er gute Erträge einfahren, die im Bereich von Extenso-Getreide liegen. Dank guter Witterung in diesem Jahr war der Krankheitsdruck gering, die Böden gut befahrbar und der Striegel effektiv. Jedoch hat das Wetter nicht nur Gutes gebracht: Ein starker Hagelzug hat im Sommer auch einige von Gäumanns Kulturen erwischt. So gab es kleinere bis mittlere Schäden an Winterweizen, Dinkel und Mais; beim Raps einen Totalausfall. Ein Pfluglos-Versuch mit Untersaat auf der Hälfte einer Rapsparzelle kann er somit nicht auswerten. Jedoch hat es sich bereits vor dem Hagel gezeigt, dass auf den Pflug vorerst noch nicht verzichtet werden kann. Gute Erfahrungen hat Michael Gäumann damit gemacht, beim Mais am Rand eine «Wendezone» begrünt (Kunstwiese) zu lassen und nicht noch eine Querlinie zu säen. So konnte er problemlos bis zum Rand hacken und hatte wenig Unkrautdruck von aussen. Im Raps war schon eine erste Blacken-Stechen-Aktion nötig.

Für die kommenden Jahre plant Michael Gäumann ein paar Änderungen in der Fruchtfolge. Er wird sie um 2 Kulturen erweitern: Lupine und eine Mischung aus Hafer und Erbsen. Die Kunstwiesen möchte er länger (4 Jahre) stehen lassen. Vor der Rapssaat hat er dieses Mal die ganze Parzelle gepflügt und er testet ausserdem eine andere Untersaat.

 

Im Stall hat sich die Umstellung auch bemerkbar gemacht. Gäumann rechnet etwa mit ¼ weniger Jahresmilchleistung pro Kuh, zurückzuführen auf die Bio-Fütterung. Dies ist eine grössere Reduktion als ursprünglich erhofft. Michael Gäumann versucht die Kuhzahl dem zur Verfügung stehenden Futter anzupassen und hat bisher etwa 10 Kühe mit hohem Red-Holstein-Anteil verkauft. Er musste sie als konventionelle Kühe verkaufen, da er für diese intensiv milchlastigen Tiere keine Bio-Abnehmer fand.

Die Tiergesundheit hat sich seit der Umstellung nicht merklich verändert - weder positiv noch negativ. Einige Lungen- und Euterentzündungen konnten mit Hausmitteln und Globuli behandelt werden, in einigen Fällen brauchte es aber Antibiotika.

Die Bio-Tierhaltung ist für Michael Gäumann zeitaufwändiger geworden. Die Beobachtung und Behandlung kranker Tiere sowie das Führen der Kühe zu und von den teilweise weit vom Hof entfernten Weiden (vor der Umstellung war er nicht im RAUS-Programm) brauchen deutlich mehr Zeit.

 

Michael Gäumann gibt zu bedenken, dass der Zeitaufwand für die Umstellung nicht unterschätzt werden darf. Ackerbau, Tierhaltung und insbesondere das Einpendeln und sich im Bio zu orientieren braucht viel Zeit. Alles in allem ist Michael Gäumann weiterhin sehr überzeugt von der Umstellung auf Bio und freut sich aufs 2018!

 

Update 15. November 2018

Der Betrieb Gäumann schaut auf das zweite Umstellungsjahr zurück. 2018 war auch bei Michael Gäumann geprägt von der Trockenheit. Die Weiden lieferten kaum Futter für die Tiere und das Güllen musste auf ein Minimum reduziert werden. Jedoch blieb auch dieses Jahr dank der Trockenheit der Krankheitsdruck tief und der Striegel erfüllte seinen Zweck optimal.

 

Pflanzen

Die Erträge sind durchwegs zufriedenstellend. Sehr gute Erfahrungen hat Gäumann mit Silomais nach einer Mischung von Hafer mit Erbse gemacht. Der Bestand sah sehr gut aus, was Gäumann auf den vorher fixierten Stickstoff zurückführt. Auch der Raps gedieh dieses Jahr gut, dank vorherigem Pflugeinsatz und anderer Untersaat. Letzteren musste Gäumann als Umsteller aber in den konventionellen Kanal verkaufen und erzielte damit keinen zufriedenstellenden Erlös.

Einzig bei einer anderen Maisparzelle fielen die gesäten Körner der gesamten 1 Hektar grossen Parzelle dem Krähenfrass zum Opfer. Hier half nur noch eine Neuansaat. Und bei den Lupinen gab ebenfalls einen Totalausfall auf einer halben Hektare wegen der Brennfleckenkrankheit /Anthraknose. Die Winterkulturen fürs 2019 hat Gäumann wegen des heissen und trockenen Spätsommers und Herbsts eher spät gesät. Dank der Wärme im Herbst sind sie aber gut auf Kurs.

 

Tiere

Die Anzahl Tiere musste Michael Gäumann weiter reduzieren. Das Futter wurde wegen den katastrophalen Weiden knapp und wegen den Ausfällen und Qualitätsminderungen im Futterbau spitzte sich die Situation weiter zu. So musste Gäumann weitere Kühe verkaufen. Nun stehen noch 22 Milchkühe und 10 Gusti im Stall. Die Milchleistung ist im stalldurchschnitt auf 6000 kg gesunken. Dazu muss man aber erwähnen, dass die Milch komplett aus betriebseigenem Futter produziert wird.

Das zweite Umstellungsjahr ist aber auch geprägt von einer grösseren Veränderung, die Ende 2018 durch einen zunächst unglücklichen Zufall ihren Anfang nahm: Aprilia, eine frisch gekalbte, ältere Kuh hatte vom weiten Weg auf die Weiden Probleme mit dem Fuss und wurde zusätzlich ständig von einer ranghöheren Kuh belästigt. Statt sie schlachten zu lassen, liess Michael Gäumann sie bei den Kälbern im Stall, wo sie Ruhe hatte und ihr Kalb bei ihr saugen konnte. Das war der Anfang der Ammen- und Muttergebundenen Kälberaufzucht im Stall Gäumanns. Seither lässt er die Kälber von Kühen mit hohen Zellzahlen oder von alten Kühen aufziehen und ist mit dieser Art der Aufzucht sichtlich glücklich. Die Kälber werden kaum noch krank und nehmen besser zu als früher. Die säugenden Kühe sind zufrieden und können die Kälber pflegen. Gleichzeitig senken die Kälber bei den Kühen die Zellzahl. Es ist klar: Michael Gäumann möchte auf gar keinen Fall zurück zum Kälbertränken. Für ihn war das eine mühsame und zeitaufwändige Arbeit. Dazu kam die ständige Durchfallbehandlung, welche auch Zeit und Nerven kostete. Die Ammen- und Muttergebundene Aufzucht hat also nicht nur positive Auswirkungen auf das Tierwohl sondern hat auch für den Betriebsleiter sichtlich mehr Zufriedenheit gebracht und ist somit für alle ein Gewinn.

 

Rückblick

Michael Gäumann zieht auch nach dem zweiten Umstellungsjahr eine positive Bilanz. Der Zeitbedarf ist nach wie vor etwas höher als vor der Umstellung. Insbesondere das Entfernen von Problemunkräutern (v.a. Blacke) braucht seine Zeit. Jedoch meint Gäumann, dass er schon wieder etwas mehr Zeit habe als noch im ersten Umstellungsjahr.

Würde er heute noch einmal vor der Umstellung stehen, würde er sich nicht viel anders vorbereiten. Einzig die Tierzahl würde er früher reduzieren und so dem betriebseigenen Futterangebot anpassen. Ansonsten bleibt er experimentierfreudig und probiert gerne wieder Neues aus.

 

Ausblick

 

Michael Gäumann freut sich sehr auf das erste «richtige» Bio-Jahr. Nicht mehr den Stempel «Umstellungsbetrieb» tragen zu müssen und nun ein vollwertiger Bio-Betrieb zu sein, freut ihn und macht auch ein wenig stolz. Natürlich ist er auch froh, für den Bio-Aufwand auch endlich den Bio-Erlös zu bekommen. Etwas Sorgen macht ihm, ob die Bio-Preise langfristig gehalten werden können. Den Entscheid, auf Bio umzustellen hat er aber noch nie bereut.