Ramseier, Eggiwil

Der Betriebsleiter Urs Ramseier übernahm den elterlichen Hof im Jahr 2013. Bis anhin wurde der Hof ortstypisch bewirtschaftet. Der Betrieb produzierte  Käsereimilch für die Emmentaler-Produktion  und hielt Muttersauen auf einem reinen Graslandbetrieb. Bald wurde klar, dass die Muttersauen-Haltung nicht mehr rentabel war.

Damit er eine Existenz für seine zukünftige Familie sichern konnte, fing der gelernte Agrokaufmann an zu rechnen und nach Lösungen zu suchen. Es standen einige Optimierungsmöglichkeiten zur Auswahl.

Schliesslich entschied sich Urs Ramseier rein wirtschaftlich für die Bio-Pouletmast in 6 mobilen Ställen. Er verhandelte mit der Bell und meldete sich kurz darauf fürs Bio an. Nach der Anmeldung nahm er noch mit einem Berater Kontakt auf, um sicher zu sein, dass er an alles gedacht hat. Die Muttersauen wurden verkauft, der Saustall in einen Vormaststall für die Masthühner umgewandelt. Im Kuhstall wurde der Kuhtrainer ersetzt. Die Milch wird in Zukunft zu 100% an die Industrie geliefert. Bis anhin wurde die Milch 7 Monate im Jahr an die Käserei in Eggiwil geliefert und 5 Monate an die Industrie.

Im Kuhstall ist Urs Ramseier zufrieden. Die Kühe werden langsam von Holstein auf Schweizer Fleckvieh gekreuzt.

Als einzige Herausforderung sieht Urs Ramseier die Düngung. Er hofft, die Wiesen und Weiden optimal mit den eigenen Hofdüngern versorgen zu können. In der Vergangenheit wurde Kunstdünger zugekauft.

Ob Urs Ramseier in 20 Jahren noch den Betrieb bewirtschaftet oder noch Kühe melken wird, weiss er nicht. Wichtig sei, mit der Zeit zu gehen. Urs Ramseier bringt seine Entscheidung, den Betrieb biologisch zu bewirtschaften, auf den Punkt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

 

September 2017

Im emmentalischen Eggiwil konnten Bell die ersten Poulets geliefert- und die Wintervorräte für die Kühe geerntet werden. Urs Ramseier zieht eine erste Bilanz:

Er ist mit dem ersten Umtrieb, insbesondere mit der Mastleistung zufrieden, sieht aber bereits Optimierungspotential. Der Abnehmer kalkuliert mit 3% Verlusten und Urs Ramseier hatte beim ersten Umtrieb 1.8%, was ihm jedoch immer noch zu viel ist. So hat er Netze über die Ausläufe gespannt, um Verluste durch Greifvögel zu eliminieren. Jetzt betragen die Verluste noch 1%. Der Hühnermist wird im bestehenden Güllekasten gelagert. Um eine optimale Verdünnung zu erreichen, möchte er noch das Dachwasser in den Güllekasten umleiten.

Blacken waren auf dem Betrieb noch nie ein Problem. Dank Hackfrüchten und Wiesenerneuerung konnte diese mehrjährige Pflanze unter Kontrolle gehalten werden. Mehr Sorgen machen Urs die Disteln. Die wurden bis anhin gespritzt.

Im Kuhstall sind auch erste Anzeichen der Umstellung sichtbar. Das Leistungsfutter wurde auf die Hälfte reduziert, um Kosten zu sparen. Somit ist auch die Milchleistung der Kühe zurückgegangen. Im Gegensatz zu den Mastpoulets fliesst die Milch noch nicht in den Biokanal und der Arbeitsverdienst ist dadurch gesunken.

 

Urs Ramseier wartet mit weiteren grossen Änderungen erstmal noch ab und beobachtet die Entwicklungen im Milchmarkt. Er bleibt zuversichtlich und offen.

 

Sommer 2018: Ein Jahr nach der Umstellung

 

Die Bell hat seine Versprechungen gegenüber dem Betrieb Ramseier gehalten. Es gab keine Überraschungen und die Pouletmast floriert. Trotz Schutznetze ist das Problem mit den Greifvögeln immer noch aktuell. Da das Schutznetz nicht unter Strom ist, strecken die jungen Küken ihre Köpfe durch das Netz und werden von Greifvögeln gefangen und durchgezogen.

Im Kuhstall macht das Energiemanko in der Ration zu schaffen. Eine tiergerechte Bio Fütterung ist aus finanzieller Hinsicht schwer realisierbar. Die Fruchtbarkeit leidet und einige Hochleistungskühe müssen schweres Herzens ausgemerzt werden. Um das Energiemanko auszugleichen, baute Urs das erste Mal Mais an. Die Wiese wurde mit Pouletmist gedüngt, gepflügt und am 10. Mai gesät. Nach dem Auflaufen wurde die Parzelle mit 30m3 Gülle gedüngt. 3 Tage danach wurde eine Hacke gemietet und das erste Mal gehackt. Wegen der GMF Fütterung konnten nur 0.5 Hektaren angebaut werden.

Der Milchpreis wird nach der Umstellung höher sein. Urs ist unsicher, ob er noch weiter melken wird. Die Milchproduktion habe aber den Vorteil, dass bei der Gründung einer Familie, er als Vater zu Hause sein könnte und das gross werden der Kinder miterleben könnte. Um weiter zu melken müsste die ganze Kuhgenetik an eine extensive biologische Haltung angepasst werden.

Als Alternative zum Milchvieh sieht Urs das Weidebeef. Eventuell werden junge Limousin Kuhkälber zugekauft und in Weidehaltung mit zusätzlichem Mais gemästet. Neben der neuen Einnahmequelle wäre die Beweidung der Hanglagen zudem sichergestellt.

Urs besuchte im letzten Halbjahr die 2 Pflichtkurse für Umsteller. Er besuchte «Biobeeren Anbau» und «Umstellung Ackerbau».

Die Stromrechnung ist gekommen. Der Betrieb verbraucht 75Kw Strom. Dies macht einen grossen Teil in den Betriebskosten aus. Urs hat bereits Offerten für Solaranlagen eingeholt und hofft Strom für den Eigengebrauch zu produzieren. Das Hindernis: Das Dach ist 40 Jahre Alt und sei noch für 10 Jahre gut. Die Solarstromproduktion macht erst bei einem neuen Dach Sinn. 

Update Juni 2017

Das erste Umstellungsjahr ist bereits vorbei, Urs Ramseier zieht Bilanz

 

Bei den Mastpoulets mussten noch einige Erfahrungen gemacht werden, bis Ende Jahr die Verluste auf ein Niveau von 1% minimiert werden konnten. Bei einem Umtrieb sind zwei Hühner beim Nachstreuen gestorben: die Mastpoulets wurden nervös, bestiegen sich und erstickten dabei.  Gegen Greifvogel montiert Urs im Winter die Netze nicht. Die Hühner verbringen weniger Zeit draussen und daher ist ein Angriff durch den Greifvogel sowieso unwahrscheinlicher. Überraschend Probleme machte hingegen der Marder. Die Hühner haben am Winterstandort unter den mobilen Ställen kleine Löcher gegraben. Diese wirkten für den Marder leider nur zu einladend. 30 Hühner sind verendet als der Marder in die Hühnerställe eingedrungen ist! Die Einstreu ist ein wichtiger Teil der Pouletmast. Seit Urs auf Strohpellets umgestiegen ist, sei das Stallklima deutlich besser. Wie sieht es aus mit dem Duft vom Hühnermist? Dieser lasse sich kaum feststellen. Einzig im Vormaststall, drei bis vier Tage vor dem Ausstallen ist vermehrt ein stechender Geruch festzustellen.

Ein Fragezeichen setzt Urs noch beim neuen Stromverbrauch seit der Umstellung. Nicht nur der Vormaststall muss geheizt werden, sondern auch die mobilen Ställe werden mit Heizstrahler auf 20°C beheizt.

Auch die Zuchtsauen vor der Umstellung waren auf ein warmes Stallklima angewiesen. Es wird sich zeigen, ob die 2500 Mastpouletplätze die Bedürfnisse an Strom von 21 Muttersauen übertreffen werden. 

 

Die Milchkühe auf dem Betrieb Ramseier in Eggiwil sind gesund und munter. Die Fruchtbarkeit ist zufriedenstellend. Die Hofabfuhr erspart dem Betrieb jeden Tag mindestens eine Stunde Arbeit. Trotzdem ist die Milchviehhaltung der Schwachpunkt während der Umstellung auf die biologische Landwirtschaft. In der Umstellungsphase ist das Kraftfutter teurer und der Milchpreis tiefer. Urs schätzt einen Verdienstverlust gegenüber dem Vorjahr.

 

Wegen den Mastpoulets wird Urs zuviel Nährstoffe auf seinem Betrieb produzieren. Dies ist nicht weiter schlimm, da der Betrieb bereits mit den Zuchtsauen einen Düngerabnahmevertrag mit dem Nachbarn hatte. Eine Herausforderung stellt aber die Tatsache, dass neu im Biolandbau der Dünger zu einem Biobetrieb geführt werden muss. Dünger darf von einem konventionellen Betrieb importiert werden, aber ein ÖLN-Betrieb darf nicht Biodünger einsetzen.