Tschanz-Zahnd, Péry

Roland und Trudy Tschanz bewirtschaften 32ha LN in Péry im Berner Jura.

 

Sie halten 22 Red Holstein-Kühe, deren Milch in den Industriekanal der mooh Genossenschaft geliefert wird, sowie sieben Mutterkühe (Red Holstein, Limousin), deren Kälber direkt vermarktet werden. Auf den ackerfähigen Flächen werden Weizen, Triticale, Gerste, Mais und Kartoffeln angebaut. Ein Teil des Getreides sowie der Mais werden auf dem Hof regelmässig in einer mobilen Mühle zu Kraftfutter für den Eigengebrauch verarbeitet. Die Kartoffeln werden im Hofladen verkauft. Dort werden ebenfalls die Eier der 25 Legehennen angeboten sowie zu den Melkzeiten Milch ab Tank. Im Winter unterrichtet Roland Tschanz je nach Schneeverhältnissen an ca. 40 Tagen als Skilehrer im Gebiet Les Prés d’Orvin.

 

Die Familie Tschanz hat schon immer naturnah gewirtschaftet und versucht z. B. schon seit mehreren Jahren, ihre Tiere soweit möglich mit homöopathischen Mitteln zu behandeln. In einer Kursreihe der Fondation Rurale Interjurassienne zum Thema „Production du lait durable“ lernte der Betriebsleiter so auch mehrere Bio-Landwirte kennen. Ebenfalls die Produktionsweise mit den vielen künstlichen Pflanzenschutzmitteln waren Herr und Frau Tschanz je länger je unangenehmer geworden. Zudem beobachteten sie, dass diese beispielsweise bei der Blackenbekämpfung gar nicht mehr wirkten. Den Hauptausschlag für den Entscheid zur Umstellung gab schliesslich der tiefe Milchpreis. Zudem war auch der Sohn dafür, der wahrscheinlich den Betrieb weiterführen wird.

Natürlich hoffen Roland und Trudy Tschanz vor allem, dass der Biomilchpreis auch noch auf dem heutigen Niveau sein wird, wenn sie ihre Milch in zwei Jahren in den Bio-Kanal der mooh liefern können. Auch dank ihren anderen Produkten erwarten sie eine höhere Entschädigung und Wertschätzung für ihre Arbeit durch die Konsumenten. Am Bio-Getreide zeigt die Mühle Rytz grosses Interesse. Die Reaktionen auf die Umstellung aus der Bevölkerung sind durchwegs positiv. Nachbarlandwirte mit ÖLN-Betrieben reagieren kritisch mit Fragen, wie zum Beispiel nach dem Umgang mit dem vermehrten Unkraut. Doch Angst davor haben Tschanz’s nicht. Die bisher einschneidendste Veränderung, welche die Umstellung mit sich brachte, war vielmehr der nötige Verzicht auf den Kuhtrainer. Dies bringt tatsächlich tägliche Mehrarbeit mit sich, sowie erhöhte Sorge um die Eutergesundheit. Bisher mussten glücklicherweise noch keine vermehrten Probleme festgestellt werden.

Eine Art Symbol für die Umstellung ist der neu angeschaffte Hackstriegel.

 

Update Sommer 2018

Das zweite Umstellungsjahr neigt sich schon bald dem Ende zu, und Roland und Trudy Tschanz meistern die neue Herausforderung Biolandbau scheinbar ohne grosse Mühe.

Auf dem Betrieb haben seit der Umstellung keine bedeutenden Neuausrichtungen stattgefunden, und doch ist vieles etwas anders. Für viele alltägliche Arbeiten müssen neue Lösungen gefunden werden.

In der  Milchproduktion zum Beispiel kommt zunehmend die Homöopathie zum Zug, um den Gebrauch von Antibiotika aufs Minimum zu reduzieren. Insbesondere bei entzündeten Vierteln, Nachgeburtsverhalten und Verdauungsstörungen kommen die Globuli zum Einsatz. Wenn man früh genug reagiert, funktioniere das in der Regel gut, meint Roland Tschanz. In Zukunft will er anfangen, in die bestehende Red Holstein Herde die Rasse Swiss Fleckvieh einzukreuzen, um einen robusteren Bestand zu erreichen.

Ob die Milch schon ab Januar des kommenden Jahres zum attraktiven Preis von 86 Rappen als Bio Milch abgeliefert werden kann, ist noch nicht ganz sicher. Vielleicht werden sich die Tschanzs noch wenige Monate gedulden müssen, weil die Nachfrage nach Bio-Milch bei der Mooh aktuell gedeckt ist.

Die Kälber des Limousin-Stiers, der während der Sommermonate mit der Herde mitläuft,  werden weiterhin mit ungefähr 75kg als konventionelle Tränkekälber verkauft. Für die Tränker einen Bio-Kanal zu finden ist leider nicht einfach, meint Roland.

 

Auch im Pflanzenbau läufts abgesehen von ein paar kleinen Herausforderungen rund.

Vom Krähenfrass ist das Mais zum Glück verschont geblieben. Dafür hat sich die Unkrautregulierung als nicht ganz einfach erwiesen. Zum ersten Mal wurde der Striegel im Mais eingesetzt. Wegen dem nicht ganz ebenen Saatbeet hat die Kultur dadurch leichte Schäden davon gezogen. Dem will Roland im nächsten Jahr mit einem zusätzlichen Walzen nach der Saat vorbeugen. Beim der Arbeit mit dem Striegel hat Roland den Rat seiner biologisch produzierenden Kollegen befolgt: Bei dieser Arbeit dürfe man nicht zurückschauen, denn es sehe schlimmer aus, als es ist.

Das Frühjahr war eher feucht, sodass das Hacken im Mais ab dem Dreiblattstadium nicht mehr möglich war. Dadurch sind die Unkräuter etwas in die Höhe geschossen. Der Mais hat sich aber gut durchsetzen können und sieht jetzt sehr schön und kräftig aus.

In den Kartoffeln war der Kartoffelkäfer ein grosses Thema. Da das im biolandbau erfolgversprechende Mittel «Novodor», ein bacillus thuringiensis Präparat, nicht erhältlich war, musste auf das Frassgift Audienz ausgewichen werden, welches sonst im Biolandbau nicht zugelassen ist.  Es ist zu hoffen, dass ein solcher Engpass nicht so bald wieder vorkommt.

Mit der Umstellung auf Biolandbau haben die Tschanzs auch die Kartoffelsorten etwas angepasst. Die Sorte Charlotte bauen sie nicht mehr an. Sie sei zu anfällig auf Krautfaule. Stattdessen haben sie die Sorte Erika gewählt, welche bessere Resistenzeigenschaften hat.

 

 

Trudy und Roland Tschanz haben Freude an der neuen Herausforderung. Auch wenn Dinge wie das Unkrautmanagement mehr Handarbeit und kontinuierliche Kontrolle erfordert. Begeistert erzählen Trudy und Roland vom vergangenen Bio-Rindviehtag und ihren Erfahrungen in den letzten Monaten. Man merkt: der Entdeckergeist ist geweckt!

 

Update Herbst 2017

Roland Tschanz blickt auf ein gutes erstes Dreivierteljahr unter Biobedingungen zurück. Auch das Wetter half mit, dass mit allen Kulturen gute Erträge eingefahren werden konnten. Sehr viele Leute finden die Umstellung auf den biologischen Landbau positiv und haben dies auch gegenüber Tschanzes so ausgedrückt. Nicht zuletzt nehmen Roland und Trudy natürlich auch die bereits in der Umstellungsphase klar höheren Produzentenpreise mit Freude zur Kenntnis. So erhielten sie beispielsweise für Triticale Fr. 85.- pro Dezitonne.

Die Herausforderung Pflanzenschutz konnte in der vergangenen Saison gut gemeistert werden. Dem Unkraut wurde man in allen Kulturen mit ein bis zwei Durchgängen mit dem Hackstriegel Herr. Nur die gut 30 Aren Kartoffeln mussten Roland und Trudy während ca. zwei Stunden noch von Hand von Weissem Gänsefuss und Senf säubern. Die Kartoffelkäfer wurden einmal mit Neem bekämpft, was jedoch nicht enorm genützt habe. Roland schätzt aber, dass sie trotzdem keine negativen Auswirkungen auf den Ertrag hatten. Um die Krautfäule so lange wie möglich in Schach zu halten, machte Roland vier Kupfer-Behandlungen.

Leicht aufwändiger gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Nachbarn und Lohnunternehmern. Erstere wurden darauf hingewiesen, dass es für Tschanz’s nun noch wichtiger ist, dass sie beim Ausbringen von Pflanzenschutz- und Düngemitteln auf Nachbarparzellen die Grenzlinien genau einhalten. Würden nämlich bei Proben Rückstände in (Bio-)Produkten der Familie Tschanz nachgewiesen, hätte dies schwerwiegende Folgen für sie. Beim Engagement von Lohnunternehmen muss darauf geachtet werden, dass deren Maschinen frei sind von Produkten von ÖLN-Betrieben. Eine Ballenpresse muss also z. B. zuerst vollständig geleert werden, auch wenn sie von der vorhergehenden Parzelle noch Material, das nur für eine halbe Balle reicht, enthält.

Bald dreschreifer Weizen von 2018
Bald dreschreifer Weizen von 2018
Wichtige Neuanschaffung, der Hackstriegel.
Wichtige Neuanschaffung, der Hackstriegel.